Wie eine innerstädtische Verkehrswende in Marburg umgesetzt werden kann

Eine Frage aus dem offenen Brief an die OB- Kandidat*innen des Klimabündnis Marburg.


Wie soll hier vor Ort in Marburg eine Verkehrswende eingeleitet werden, solange die notwendige Alternative – ÖPNV in ausreichender Kapazität – nicht zur Verfügung steht und unerwünschtes Verhalten – motorisierte Fortbewegung mit verschwenderischem Energieaufwand und Flächenfraß – nicht explizit angesprochen wird?

Gar nicht. Deshalb brauchen wir in diesem Punkt ein kommunalpolitisches Umdenken.

Ein Ausbau des ÖPNV-Netzes wurde in der Vergangenheit immer mit dem Argument abgelehnt, dass es sich aufgrund zu geringer Nachfrage nicht lohnen würde.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es diese hohe Nachfrage nicht, weil Autofahren noch immer die viel attraktivere Alternative darstellt, gerade bei Personen, die nicht im Marburger Kernstadt- Gebiet leben.

Aus diesem Grund muss man in Marburg erstens Alternativen zum Autofahren schaffen und diese attraktiver machen, wie:

- Ausbau des ÖPNV-Netzes und höhere Frequenz der Fahrten (ggf. an besondere Uhrzeiten wie Trainingszeiten von Sportvereinen koppeln), besonders außerhalb der Kernstadt

- Ausbau der Radwege bzw. Anlegen von Fahrradstraßen (und zwar nicht auf Kosten der Fußwege, sondern z. B. durch Neuausweisung ehemaliger (Auto-)Straßen als Fahrradstraßen)

- Flexible/kostengünstige Transportmöglichkeiten für Senior*innen (z. B. Bürgerbus- Modell)

- ÖPNV kostengünstiger oder langfristig ganz kostenlos machen

- Arbeitsplätze im ÖPNV attraktiver machen (Bezahlung, Arbeitszeiten)

- Eine Erneuerung des Fahrradampelsystems nach dem Prinzip des grünen Blechpfeils

- Mehr Fahrradstellplätze in der Stadt

- Mehr Lastenräder, die gratis genutzt werden können

- Carsharing-Möglichkeiten auch außerhalb der Stadt

Und zweitens das Autofahren (bei gegebenen Alternativmöglichkeiten) unattraktiver machen, zum Beispiel durch:

- Tempobegrenzung auf 30 km/h innerhalb der Stadt mit dem langfristigen Ziel einer autofreien Innenstadt

- Weitere Tempobegrenzung auf Autobahn und Landstraßen

- Reduzierung der Parkplätze und Umnutzung dieser Flächen (z. B. für Urban Gardening, Parks, etc.)

- Ggf. Abschaffung/Reduzierung der Pendlerpauschale

- SUV-Sonderabgaben

Nur, wenn einerseits neue und an die Bedürfnisse der Bürger*innen angepasste Alternativen zum Autofahren geschaffen werden und es so Anwohner*innen ermöglicht wird, weitestgehend auf die Nutzung privater PKWs zu verzichten oder ganz autofrei zu leben, doch gleichzeitig auch nicht davor zurückschreckt wird, konsequent das Autofahren unattraktiver zu machen, kann es in Marburg zu einer innerstädtischen Verkehrswende kommen.